Samstag, 11. Mai 2024

Energiegemeinschaften- Status, Entwicklung, Möglichkeiten und Probleme

Am 2. Mai fand ein von der Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) veranstaltetes Webinar mit dem Thema „Fachtreffen Energiegemeinschaften“ statt. Vorgestellt und diskutierten wurden

  • statistische Daten zur Entwicklung von Energiegemeinschaften in NÖ, die Ergebnisse der „Task Force EG NÖ“ und wertvolle Tipps zum Umgang mit zahlreichen Problemen bei Administration und Abrechnung von EEGs,
  • die Dienstleistungen der EDA und die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten zu ihrer Infrastruktur,
  • die seit Anfang dieses Jahres mögliche Teilnahme an mehreren Energiegemeinschaften, und
  • verschiedene Geschäftsmodelle für Speicher in Energiegemeinschaften sowie reale Probleme, die sich aus der steigenden PV-Überschussproduktion, damit sinkenden Einspeisevergütungen und teilweise negativen Stromkosten am Spotmarkt ergeben
  • Die Unterlagen aus diesem Webinar sind nicht dazu geeignet, um sich grundlegend zu Energiegemeinschaften zu informieren, sondern erfordern praktische Erfahrung mit PV-Stromerzeugung und Speicherung sowie Vorwissen zu Energiegemeinschaften.

Dienstag, 12. März 2024

Wie kann die Photovoltaik deutlich aufgewertet werden?

 

Das aktuelle Zusammenspiel von Photovoltaik und Speicher-Wasserkraftwerken.

Das für das Clearing des ungewollten Energieaustausches innerhalb des österreichischen Versorgungsgebietes zuständige Unternehmen, die APCS, veröffentlicht verschiedene Daten und Informationen zur leitungsgebundenen Energieversorgung.

Daraus sei ein recht anschauliches Beispiel herausgegriffen, nämlich die laufende Erzeugung elektrischer Energie aus Photovoltaik und mittels Speicherkraftwerken.

Während die Stromerzeugung aus Photovoltaik während des Tages erfolgt, tritt die größte Nachfrage etwa am täglichen Beginn und am Ende dieser Produktionsart auf. Die Photovoltaik kann somit während dieser Lastspitzen fast nichts zur Nachfragedeckung beitragen, wie im nachstehenden, aktuellen Diagramm zu erkennen ist.

In der nächsten Grafik ist sehr schön ersichtlich, wie dann die Speicherkraftwerke in Aktion treten und somit derzeit zu einem erheblichen Teil als wertvolle Ergänzung zur Photovoltaik betrieben werden.

Was aber, wenn die Photovoltaik weiter so stark ausgebaut wird? Es ist damit zu rechnen, dass der doch überraschend starke Preisrückgang bei Speicherbatterien, vor allem bei LFP (Lithium-Eisen-Phosphat) die Speicherkraftwerke unterstützen wird. Dies auch deshalb, weil die täglichen Preisschwankungen mit zunehmend ausgebauter erneuerbarer Energie stärker werden. Es ist zu erwarten, dass der Preis im Großhandel während der Tagesstunden weiter relativ niedriger wird, während der Strompreis in Zeiten großer Nachfrage noch stark ansteigen dürfte. Damit werden die Speicherbatterien immer wirtschaftlicher, auch im privaten Bereich.

Wie viel Speicherkapazität macht im privaten Bereich Sinn? Die Erfahrung zeigt, dass der durchschnittliche Tagesverbrauch während der Wintermonate ein guter Richtwert ist. Damit kann, in Verbindung mit einer ausreichend groß dimensionierten Photovoltaik, der Eigendeckungsgrad beim Strom von etwa 30% auf über 80% gesteigert werden (im dargestellten Beispiel inklusive Wärmepumpen-Heizung). Die Lebensdauer der LFP-Speicher gibt keinen Anlass zur Sorge. Die werden ähnlich zuverlässig lange arbeiten wie die Speicherkraftwerke.



Somit ist festzuhalten: Es wird noch einiges möglich sein bei der Stromerzeugung ohne fossile Brennstoffe.

Günter Bramböck


Dienstag, 30. Januar 2024

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen

 

Bekanntlich sind für unser physisches Wohlbefinden nicht nur ausreichend Licht und Nahrung wichtig, sondern auch die erträgliche Umgebungstemperatur. Im Winter ist das die Raumheizung und diese wird in unserem Ort zum überwiegenden Teil durch das Verbrennen von Erdgas bereitgestellt. Selbst die Fernwärme entsteht nur zum Teil aus Biomasse. Damit sind wir beim Thema, dessen Zukunft wir betrachten wollen.


Abseits der Diskussion um Klimapolitik geht es um die Frage der Energiesicherheit. Die Folgen von Pandemie - und noch mehr - der sich häufenden Konflikte bis hin zu militärischen und wirtschaftlichen Kriegen müssen diskutiert werden. Wie sieht es mit unserer Widerstands-fähigkeit in einem zunehmend unsicheren Umfeld aus? Das Bundesheer hat dazu eine große und stark beachtete Präsentation des Risikobildes veranstaltet.


Bei der Rohstoffversorgung wird das Risiko als sehr hoch eingeschätzt. Das betrifft  wahrscheinlich ganz besonders die Erdgasimporte. Dafür gibt es hauptsächlich drei Gründe:
  • Das Konfliktpotential zwischen EU und Russland wird als sehr hoch bezeichnet. Für die Durchleitung von Gas durch die Ukraine gibt es ab dem nächsten Jahreswechsel keinen Vertrag.
  • Die schon massiv gestiegenen Importe aus Nordamerika können nicht weiter gesteigert werden, weil die zusätzlich notwendigen Verladestellen nicht genehmigt werden
  • Der arabische Raum kann infolge sich häufender Konflikte nur sehr schwer einspringen. 
Für den kommenden Winter ist das Risiko stark steigender Preise für das Erdgas somit relativ hoch und die Versorgungssicherheit damit schwächer als derzeit. Das ist zwar aus den aktuell für diesen Lieferzeitraum geltenden Börsenpreisen nicht ableitbar, aber starke Preissprünge sind dort schon in der Vergangenheit aufgetreten.


Der Ersatz von Erdgas durch Pellets hat bei letzteren zu einem erheblichen Preisanstieg geführt. Es werden z.B. aus der Ukraine auch Pellets aus Stroh importiert, die aber die Heizanlage technisch stärker beanspruchen.


In letzter Zeit sind auch in unserem Ort viele Erdgasheizungen (auch solche mit Heizkörpern) durch Wärmepumpen ersetzt worden, die zum größten Teil die Energie aus der Umgebungsluft entnehmen und dem Heizsystem zuführen. Die als Strom zu beschaffende Energiemenge ist bei einer korrekt dimensionierten Wärmepumpe etwa viermal niedriger als bei einer Gasverbrennung, aber der Preis je kWh ist etwa doppelt so hoch.


Elektrische Energie wird in Österreich vor allem im Winter importiert, womit auch hier eine Abhängigkeit von Importen gegeben ist. Diese Abhängigkeit kann durch eine eigene Photovoltaikanlage deutlich reduziert werden. In unserem Ort gibt es zumindest ein normal großes Einfamilienhaus, welches sogar im Jänner 2024 einen Energieüberschuss aufweist, wobei in diesem Fall etwas mehr als ein Viertel des Verbrauchs über das Netz ausgetauscht wird. Der Rest ist direkt aus der eigenen Stromerzeugung gekommen. Bei vielen Häusern würden zumindest einmal zusätzliche Wärmeschutzmaßnahmen das Problem verkleinern. 

Günter Bramböck


Donnerstag, 18. Januar 2024

Photovoltaik-Freiflächenanlagen anstelle von Ackerwirtschaft verbessern Biodiversität

Peer-Reviewed Veröffentlichung; DOE/ARGONNE NATIONAL LABORATORY

Insektenpopulationen florieren in den wiederhergestellten Lebensräumen von Solarenergieanlagen.
In weniger als fünf Jahren verdreifachte sich die Insektenpopulation


Hummeln schwirren von Blüte zu Blüte und halten unter dem klaren blauen Himmel von Minnesota kurz inne. Vögel zwitschern, und hohe Gräser wehen im Wind. Dies ist keine Szene aus einem unberührten Naturschutzgebiet oder Nationalpark. Sie ist eingebettet zwischen Photovoltaik (PV)-Solaranlagen auf saniertem Ackerland.

Forscher des Argonne National Laboratory und des National Renewable Energy Laboratory des US-Energieministeriums (DOE) wollten den ökologischen Wert von PV-Solarenergieanlagen verstehen, die mit einheimischen Gräsern und Wildblumen bepflanzt sind. Sie untersuchten, wie sich die Vegetation etablieren würde und wie die Insektengemeinschaften auf den neu geschaffenen Lebensraum reagieren würden. Die fünfjährige Feldstudie untersuchte zwei von Enel Green Power North America betriebene Solaranlagen im Süden von Minnesota. Beide Standorte wurden auf stillgelegten landwirtschaftlichen Flächen errichtet.

Mittwoch, 10. Januar 2024

Raus aus Gas - auch in Bestandsgebäuden

 

Bis 2015 waren 7000 Wohnungen der Sozialbau-Gruppe mit Gasetagenheizungen beheizt. Nach einer Gesamtumstellung besteht heute in allen betroffenen Häuser die technische  Infrastruktur für fossilfreies Beheizen ohne Mehrkosten für die Mieter. Ein Großteil der Mieter hat bereits dieses Angebot genutzt und auf die Beheizung durch ein zentrale Erdwärmepumpe umgestellt.

Damit wurde praktisch bewiesen, dass es technisch und ökonomisch möglich ist, in einem überschaubaren Zeitraum von zehn bis 20 Jahren aus der fossilen Verbrennung im Wohnbau auszusteigen.

https://www.falter.at/zeitung/20240109/wie-herr-bach-7000-gasthermen-abschraubte

Dienstag, 5. Dezember 2023

Portugal vor den Vorhang!

Anfang November ist es Portugal gelungen, seinen gesamten nationalen Stromverbrauch mehr als sechs Tage lang ununterbrochen ausschließlich aus erneuerbaren Quellen zu decken. In diesen regnerischen, stürmischen Tage kam den Windkraftwerken eine entscheidende Rolle zu. Alle fossilen Kraftwerke waren 149 Stunden am Stück außer Betrieb. 

Das war ein bedeutsamer Zwischenerfolg zu dem Ziel, letztlich über ein ganzes Jahr hinweg von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden. Und er hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die Endverbraucher, weil die Strompreise in dieser Zeit extrem niedrig waren. Das portugiesische Stromnetz hat auch bewiesen,  auf einen sehr hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien und auf die zu erwartenden Schwankungen vorbereitet zu sein. Es war in der Lage, sowohl den starken Anstieg der Wasser- und Windenergieproduktion als auch die Rückkehr zu einem geringeren Anteil erneuerbarer Energien zu bewältigen, als wieder Erdgaskraftwerke angefordert werden mussten, um einen Teil der Nachfrage des Landes zu decken.

Portugal hat sich bereits 2016 verpflichtet, bis 2050 Netto-Null bei den CO2- Emissionen zu erreichen, und auch einen detaillierten Plan erstellt, um dieses Ziel zu erreichen. Anstatt bei der Stromerzeugung in erster Linie auf Wind, Wasser oder Sonne zu setzen, hat sich Portugal auf die Diversifizierung und optimale Ergänzung dieser erneuerbaren Ressourcen konzentriert. Auch in Zukunft sollen zusätzliche Offshore-Windkraftanlagen und Solaranlagen errichtet und ältere Onshore-Windkraftanlangen an den besten Standorten leistungsmäßig ausgebaut werden.

Dem Land ist in den letzten Jahren eine historische Verschiebung bei den Energiequellen gelungen. Portugal hat kein Atomkraftwerk, das letzte Kohlekraftwerk wurde 2022 stillgelegt. Allein heuer ist der Erdgasverbrauch für die Stromerzeugung von Januar bis Oktober 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 39 % und auf den niedrigsten Stand seit 2006 gesunken.

Die Verhältnisse in Portugal sind mit denen bei uns sicher nicht 1:1 vergleichbar. Aber es zeigt sich, dass rechtzeitige Planung, eine konsequente Umsetzung und ein ausgewogener Mix alternativer Energiequellen zusammen mit einem entsprechenden Ausbau von Speichern und Stromnetz das Ziel erreichbar machen kann, von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden.

https://www.canarymedia.com/articles/clean-energy/portugal-just-ran-on-100-renewables-for-six-days-in-a-row

Montag, 27. November 2023

Der Charme der Windkraft.

Um die Erderhitzung noch einigermaßen abbremsen zu können, müssen wir einerseits den Energieverbrauch reduzieren und andererseits auf CO2 - neutrale Energiequellen umsteigen. Windkraft kommt dabei ein wichtige Rolle zu. Denn während Photovoltaik-Anlagen untertags den meisten Strom liefern, können sie in der Nacht nichts beitragen. Wind ist jedoch in der Nacht und vor allem im Winter am stärksten, also genau dann, wenn die Sonne weniger scheint und der Wasserstand der Flüsse niedrig ist. Daher brauchen wir neben dem Ausbau von Speichern und Stromnetz einen Mix aus allen erneuerbaren Stromquellen. 

Schwankungen der Stromerzeugung aus Wind, Wasser und Sonne im jahreszeitlichen Verlauf

Niederösterreich hat mit Abstand das größte Windkraftpotential in Österreich und somit eine besondere Verantwortung bei der Energiewende:

Windkraftpotential je Bundesland in TWh

Die kinetische Energie bewegter Luft steigt quadratisch mit der Windgeschwindigkeit. Daher steigt die Leistungsdichte, d.h. die in einem Luftstrom enthaltene Leistung, mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit. Das bedeutet, dass doppelte Windgeschwindigkeit zu einer 8-fachen Leistung führt und umgekehrt eine Halbierung der Windgeschwindigkeit die Leistung auf 1/8 sinken lässt. Windkraftanlagen werden daher so ausgelegt, dass sie ihre Nennleistung schon bei relativ geringen, häufig vorkommenden Windgeschwindigkeiten erreichen. Wird diese Nenngeschwindigkeit überschritten, werden die Rotorblätter so verstellt, dass die Nennleistung möglichst lang gehalten werden kann. Überschreitet die Windgeschwindigkeit die Abschaltgeschwindigkeit, so schaltet die Windkraftanlage ab, um Beschädigungen zu vermeiden. Somit erhält man eine Abhängigkeit zwischen Windgeschwindigkeit und Leistung, die zunächst mit der dritten Potenz ansteigt, dann eine Weile konstant bleibt und schließlich relativ abrupt auf Null abfällt: 

Die Höhe über Grund, in der die Windenergie angezapft wird, spielt eine entscheidende Rolle, da durch landschaftliche Strukturen, Bebauung und Vegetation der Wind in Bodennähe gebremst und die Luft verwirbelt wird. Neben der Höhe spielt bei Windkraftanlagen natürlich auch die Größe des Rotors eine entscheidende Rolle, weil die mögliche Leistung quadratisch mit dem Rotordurchmesser steigt. Daher sehen Windkraftwerke so aus, wie sie aussehen: Möglichst hohe Türme mit möglichst großem Rotor. 

Windkraftanlagen können in vielen Fällen günstiger elektrische Energie produzieren als konventionelle Kraftwerke. Auch der Weltklimarat IPCC hielt in seinem 2022 erschienenen Sechsten Sachstandsbericht fest, dass die Stromerzeugung mit Windkraftanlagen mittlerweile in vielen Regionen der Erde günstiger ist als die Stromerzeugung mit fossilen Energieträgern. Alleine zwischen 2015 und 2020 fielen die Kosten für Windstromerzeugung um 45 %. Aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit kommt der Windenergie eine wichtige Rolle zur Dämpfung des Strompreisanstiegs zu. Durch das Merit-Order-Prinzip senkt sie durch die Verdrängung konventioneller Kraftwerke auch den Strompreis an der Börse.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Windenergie
https://fridaysforfuture.at/media/pages/windkraft-im-waldviertel/32db8145ca-1700599479/windkraft-broschure_s4f.pdf
https://fridaysforfuture.at/windkraft-im-waldviertel

Samstag, 25. November 2023

Nachrichten vom Speicher


Sind Stromspeicher ein Luxus oder sind sie zur Notwendigkeit geworden? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es derzeit noch nicht. Für einen Haushalt mit ausreichend PV, aber hohen Heizkosten infolge Erdgasnutzung wird die Installierung eines alternativen Heizsystems wichtiger sein als ein Stromspeicher, es sei denn, der Finanzrahmen ist groß genug für beides. Wobei die derzeitigen Kosten eines Speichers (noch) eine Hürde darstellen.

Wer allerdings komplett netzunabhängig werden und damit längeren Stromausfällen gelassen entgegensehen will, für den ist ein dafür geeignetes Speichersystem ein Muss.

Für alle anderen, die mehr selbst erzeugte Energie selbst nutzen wollen, wird bei den derzeitigen Anschaffungskosten die Höhe der Förderung wichtig, wenn nicht sogar ausschlaggebend für eine Installation sein. Das Land Niederösterreich informiert sehr detailreich über das Thema Batteriespeicher. 

Erwähnenswert erscheint mir hier der sogenannte „Netzoptimierte Betrieb“.
Auszug: „Diese Installationsart bewirkt, dass eine bestimmte Speicherkapazität für Stromspitzen reserviert bleibt. Beim Netzoptimierten Betrieb reserviert das Ladesystem eine gewisse Speicherkapazität (kWh) im Akku für die PV-Spitzenleistung und beginnt erst zur Mittagszeit, wenn diese vermeintlichen PV-Spitzenleistung bereitgestellt wird, mit der vollständigen Aufladung des Akkus. Dadurch werden hohe Einspeisespitzen verhindert und das Stromnetz wird gering oder nicht belastet. 
In Zukunft könnte der netzoptimierte Betrieb durch höhere Einspeisetarife als für netzbelasteten Betrieb von PV-Anlagen (allgemein Stromerzeugungsanlagen) belohnt werden.“
Trifft die im letzten Satz geäußerte Vermutung zu, wird das die Entscheidung, einen Speicher zu installieren, wohl positiv beeinflussen, zumal es durchaus absehbar ist, dass Einspeisetarife mit fortlaufender Ausrollung der Erneuerbaren weiter nach unten gehen werden. Auch aufgrund des immer noch schleppenden Netzausbaus, dessen Entwicklung leider nicht mit jener der Erneuerbaren Schritt hält.

Eher schwierig sieht derzeit die finanzielle Amortisation aus, zumal Stromspeicher als Einzelinvestition nicht mehr gefördert werden. Nach letzten Informationen (die sich noch ändern können) gilt für sie jedoch als Teil einer PV-Anlage die “Null-Ust-Regel”. Diese besagt, dass PV-Anlagen mit oder ohne Speicher umsatzsteuerfrei berechnet werden. Wichtig dabei ist, dass auch die Erweiterung einer vorhandenen PV-Anlage mit gleichzeitiger Speicherlösung in diese Regel fallen wird. Gemeinden ist es selbstverständlich freigestellt, Fördertöpfe bereitzustellen, die auch für Einzelanschaffungen von Stromspeichern gültig sind. In Biedermannsdorf wird an den neuen Förderbestimmungen noch gearbeitet.

Einfluss auf die breite Installation stationärer Speicherkapazität bei Endkunden werden die technische Entwicklung und die Marktdynamik haben. Wie die Energieversorger und die Netzbetreiber agieren werden, bleibt ebenfalls abzuwarten. Ändert sich die derzeitige Schwerfälligkeit beim Netzausbau nicht, ist eine Zunahme der Dynamik im Handel mit Batteriespeichern möglich, da - wie oben erwähnt - Einspeisungen derzeit immer restriktiver behandelt werden. Denkbar sind auch von den Netzbetreibern eingesetzte Leistungsbegrenzer, welche die Einspeisung von Überschussstrom automatisch regeln. Aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik.

Umweltbewusste Bürgerinnen und Bürger werden sich fragen, wie viel Energie die Herstellung eines Speichers benötigt. Dieser Frage ist Prof. Dr. Karl-Heinz Pettinger von der Hochschule Landshut nachgegangen. Seinen Berechnungen zufolge amortisieren sich bei einer Nutzungsdauer von 20 Jahren Bleiakkus nach 1,86 Jahren und Lithium-Ionen-Akkus nach 0,65 Jahren energetisch. Noch kürzer wäre die energetische Amortisationszeit, würden die Speicher lokal oder regional erzeugt. Denn der Transport mit Schiff und LKW aus Asien ist die Hauptursache des Energieaufwands. So, wie das eben bei vielen anderen Produkten auch ist, die wir aus aller Welt beziehen. Gäbe es im Transport Kostenwahrheit, das heißt, würden die Umweltschäden eingerechnet, wären von weither importierte Produkte längst nicht mehr konkurrenzfähig.

Karl Wagner




Donnerstag, 16. November 2023

Schlussfolgerungen aus der Energiepreiskrise

Ein wiederkehrendes Thema. Das Bild rechts aus 1988

Das Virus hat die Wirtschaft nach 2020 aus dem Takt gebracht. Die folgende wirtschaftliche Erholung und damit die Nachfrage nach Rohstoffen und besonders Energie war im Zeitrahmen wie auch im Ausmaß nicht einschätzbar. Vor allem die schnelle Erholung der Märkte war für fast alle überraschend. Kaum gedeckte Nachfrage führt in einer liberalen Marktwirtschaft zu massiv steigenden Preisen, was dann vor allem 2021 eingetreten ist. Als sich die Lage wieder leicht zu beruhigen schien, kam der unerwartete Überfall auf die Ukraine. Dieser war von Russland schon vorbereitet worden, indem zum Beispiel Gazprom den von ihr zur Gänze angemieteten zweitgrößten unterirdischen Gasspeicher Mitteleuropas nicht vor dem Winter füllte. Damit wurde das Angebot knapp und verunsicherte den Markt. Traditionell haben Gas- und Ölpreise den entscheidenden Einfluss auf die Strompreise. Mit der von der Bundesrepublik beschlossenen Stilllegung der Kernkraftwerke sah Putin offenbar eine Chance, die Einnahmen aus dem Energiegeschäft massiv zu steigern. Das war für ihn eine Absicherung des inzwischen gestiegenen Wohlstands in seinem Reich trotz der zu erwartenden Kriegskosten. Zuletzt noch die Nachricht zum Ende des Gastransitvertrages mit der Ukraine Ende nächsten Jahres. Die österreichischen Energiekunden wollten allerdings von dem dank verlässlicher Lieferung des Erdgases und der eigenen Wasserkraft entstandenen Dogma einer gesicherten Energiezukunft nicht abrücken und hoff(t)en auf die baldige Wiederherstellung der alten Gegebenheiten.

Den wenigsten Menschen in unserem Land ist bewusst, wie sehr der allgemeine Wohlstand von der Verfügbarkeit günstiger Energiequellen abhängt. Wenn die Preise der Energiearten so stark steigen wie in den vergangenen Jahren, wirkt sich das unweigerlich auf die Leistbarkeit des täglichen Lebens aus. Heizung, Mobilität und auch Lebensmittel wurden massiv teurer und die Einkommen konnten meist nicht mithalten. Die zuvor niedrigen Preise waren verlockend, in größere Wohnungen und Autos, in weite Reisen und Wellness zu investieren. Damit ist der individuelle Energiekonsum, meist aus Prestigegründen, weiter angestiegen. Mögliche Auswirkungen hoher Energiepreise wurden außer Acht gelassen. Dazu kommen das geringe Interesse und vielfach fehlendes Wissen über Energie und deren tatsächlichem Verbrauch.

Die Energiewende wurde oft als Spinnerei abgetan oder in die alleinige Zuständigkeit der staatlichen Institutionen abgeschoben. Sie darf keinesfalls den persönlichen Wohlstand und Freiheiten beeinträchtigen und überhaupt wurde angezweifelt, dass die von der EU geforderten Ziele jemals umsetzbar sein würden. Und so kümmerte sich die Mehrheit nicht weiter darum, fühlte sich mit diesem Thema eher schon genervt.

So manche haben die möglichen Energieeinsparungen oder eigene Erzeugung in Erwägung gezogen, dann aber die Sache liegen gelassen, weil sie sich zum jeweiligen Zeitpunkt nicht gerechnet hat. Mit den enormen Energiepreissteigerungen waren aber auch die Kosten der möglichen Maßnahmen stark gestiegen und die Handwerker nicht mehr zu bekommen. Also tröstete man sich damit, dass das alte Preisniveau ohnehin bald wieder zurückkommen möge.

Als sichere Wertanlage wurden Immobilien gesehen, was entsprechend der stark gestiegenen Nachfrage zu enormen Preissteigerungen geführt hat. Kaum jemand hat sich überlegt, dass diese Immobilien, um Ertrag zu bringen, beheizt werden und dann noch immer leistbar sein müssen. Man sah die Realitäten wie Wohnungen usw. als Wertanlage an sich, ohne sich des Einflusses durch den Immobilienmarkt bewusst zu sein. Heute steht bei Mietangeboten die Frage nach den Heiz- bzw. Betriebskosten ganz am Anfang der Entscheidung zum Geschäftsabschluss.

Der tatsächliche Wert von Einfamilienhäusern wird zunehmend von der Bausubstanz, besonders der Wärmeisolierung und allfälliger Verfügbarkeit erneuerbarer Energie durch Photovoltaik und Wärmepumpe beeinflusst. Besonderer Komfort verliert immer mehr an Bedeutung, wenn er zusätzliche laufende Energiekosten verursachen könnte. Der eigene Garten wird wichtiger, selbst wenn er Mehrarbeit verursacht. Die Möglichkeit, sich eine teilweise Selbstversorgung schaffen zu können, gewinnt an Attraktivität.

Immer mehr Menschen werden sich dessen bewusst, und wer eventuell dazu in der Lage ist, hat sich schon Gedanken über die Einsparung von Energie gemacht oder die Möglichkeit, die laufenden Kosten durch energiebezogene Investitionen auf Dauer zu senken. Es macht jedenfalls mehr Sinn, zunächst einmal auf Wärmeisolierung, eine Photovoltaik oder eine Wärmepumpe zu sparen, statt auf ein größeres Auto. Vielleicht ist das Geld besser angelegt in eine Investition zur Senkung der laufenden Kosten als in einen Wochenend-Einkaufstrip in eine ferne Metropole. Zusätzlich erhält das Geld damit auch die Verdienstmöglichkeiten im eigenen Land.

Bestimmt haben viele schon einmal den Satz gehört: “Das Sparen kann man von reichen Leuten lernen.” Das trifft jedenfalls ganz besonders auf die Energie zu.

Günter Bramböck

Donnerstag, 19. Oktober 2023

Stockholm will Benzin- und Dieselfahrzeuge aus dem Zentrum verbannen

Stockholm hat Pläne angekündigt, als erste große Hauptstadt Benzin- und Dieselautos aus dem Stadtzentrum zu verbannen, um die Umweltverschmutzung und den Lärm zu reduzieren.

Ab 2025 sollen 20 Häuserblocks in der Stockholmer Innenstadt, die das Finanz- und das Haupteinkaufsviertel umfassen, nur noch mit Elektrofahrzeugen befahren werden dürfen. Eine Entscheidung über die Ausweitung der Zone wird Anfang 2025 getroffen.

Details

Montag, 16. Oktober 2023

Das Märchen von den e-Fuels

 
Ein Diskussionspapier des Fraunhofer-Instituts zeigt, dass E-Fuels bei Pkw und Lkw für den großflächigen Einsatz “nicht sinnvoll” sind. Sie verbrauchen viel Strom in der Herstellung, sind teuer, stoßen giftiges Kohlenmonoxid und Feinstaub aus, und die Umwandlungsverluste sind enorm. E-Autos sind bis zu fünfmal effizienter und damit die wesentlich bessere Alternative dort, wo Radwege und öffentlicher Verkehr an ihre Grenzen stoßen.

Die international agierende „eFuel Alliance“ will uns mit „Technologieoffenheit“ e-Fuels schmackhaft machen. Dabei sind z.B. Ölkonzerne, Porsche, Siemens, allein in Österreich 113 Unternehmen, dabei die OMV, ÖAMTC, Wiener Linien und der Flughafen Schwechat.  Sie sind mit der ÖVP und der Wirtschaftskammer verstrickt. Die Liste der beteiligten Firmen sagt schon, worum es ihnen geht: Um die Beibehaltung ihres Geschäftsmodells. Der Klimawandel kommt für sie erst (weit) dahinter.

E-Fuels werden wir schon brauchen: In der energieintensiven Industrie, bei Frachtschiffen und im Flugverkehr – den wir allerdings deutlich zurückschrauben sollten. Doch für PKWs, LKWs und Heizungen wären sie eine unnötig Energieverschwendung.
 
Siehe auch hier.

Samstag, 12. August 2023

Wird Nachhaltigkeit zunehmend geschäftsschädigend?

 

Ein Artikel in der “Presse” vom 12.8.2023 über das Dilemma der Finanzinstitute, die an mehr nachhaltigen Investitionen interessiert sind, hat mich nachdenklich gemacht. Nicole Stern beschreibt dort die Aggressivität, mit der die Republikaner in den USA gegen sogenannte “ESG-Kriterien” in der Finanzwelt wettern und dabei in der Öffentlichkeit offenbar Erfolg haben dürften. Die Gegner von Nachhaltigkeit propagieren stattdessen den Profit.

https://www.diepresse.com/14399590/der-kulturkampf-der-finanzindustrie-um-esg

ESG ist die Abkürzung für “Environmental, Social, Governance” auf Deutsch: Umwelt, Soziales und Amtsführung bzw. Unternehmensführung. Finanzinstitute vermeiden seit einiger Zeit diesen Begriff in der Öffentlichkeit, denn: Die Fixierung auf die Treibhausgase in der Klimadiskussion und die Dramatisierung der zu erwartenden Folgen kommt offenbar bei vielen (Mehrheit?) nicht gut an. 

Das führt zur Frage: warum eigentlich?

Die Wetterextreme werden zweifellos durch die Erwärmung, die damit einhergehende höhere Verdunstung vor allem über den großen Wasserflächen der Meere und der damit zusätzlich gespeicherten Energie vermehrt angetrieben. Aber es ist eher ein kleinerer Teil der Bevölkerung, der dadurch unmittelbar persönlichen Schaden zu tragen hat. Die anderen sind froh, nicht betroffen zu sein und gehen nach eingehender Diskussion der Horrormeldungen wieder zur Tagesordnung über.

Und da scheint mir das Dilemma angesiedelt zu sein. Es fehlt in der Mehrheit der Bevölkerung die unmittelbare - persönliche - Betroffenheit mit Verlust, körperlichen und seelischen Folgen.

Sind diejenigen, die nicht mit Extremwetter zu kämpfen haben, einfach nur in der glücklichen Situation, heil davon gekommen zu sein, oder doch nicht?

Wie sieht es aus mit den - persönlichen - Folgen von Russ und Feinstaub in unserer Atemluft, von ständigem (oft unnötigen) Lärm, von schleichender Verschlechterung der Lebensqualität? Ist es notwendig, dass Protzgehabe, unnötiger Motorenlärm, Gestank und sonstige Rücksichtslosigkeit alle anderen Menschen in der Umgebung in ihrer Lebensqualität zum Teil sehr massiv beeinträchtigen?

Deshalb sollten zum besseren Verständnis der Beeinträchtigungen für diese unmittelbaren Belästigungen und Beeinträchtigungen Abgaben eingeführt werden. Für Russ aus Verbrennungsanlagen von Heizungen, Mobilität bis hin zur Fliegerei. Für unnötigen Lärm aus Fahrzeugen und anderen motorbetriebenen Geräten auf Basis der Typisierung. Und zwar zum Zeitpunkt der Anschaffung, damit diese womöglich erst gar nicht erfolgt.

Steuern sind dazu da, das Zusammenleben zu steuern und jegliche Beeinträchtigung sollte dazu dienen, die Kosten der Folgen zu finanzieren: im Krankenhaus, in der Pflege, usw. Es ist mir unverständlich, warum solche Maßnahmen nicht schon längst zur Verbesserung unserer Gesundheit und unserer Lebensqualität ergriffen worden sind.

Günter Bramböck

Sonntag, 16. Juli 2023

Heizen im Sommer?

In dem spätpubertären Spruch “Mach’ ma a Hazerl” ist einiges an Wahrheit enthalten.

Obwohl es heutzutage immer schwieriger wird, so ein Vergnügen auszuleben. 

Quelle: ASFINAG

Es ist auch besser, wenn derartige Vergnügen im besiedelten Gebiet weniger möglich sind, insbesondere an heißen Juli-Tagen mit deutlich über 30°.

Also kein “Hazerl” und so fährt man dorthin, wo es angenehm kühl ist.

Quelle: ORF

Wem ist es denn bewusst, dass mit dem Verbrennungsmotor in insgesamt einer Stunde Fahrzeit (mit Parkplatzsuche) so viel Energie in die schon sehr heiße Luft abgegeben wird, wie im Winter für die Beheizung eines Einfamilienhauses für einen ganzen Tag benötigt wird?

Und, weil das noch nicht genügen dürfte: Das von den rund 100.000 jährlich von Schwechat startenden Verkehrsflugzeugen verbrauchte (fossile) Kerosin verursacht eine Energiezufuhr, die etwa einem Viertel des Stromverbrauchs im gesamten Bundesland entspricht. Im Sommer ist die Zahl der Starts etwa doppelt so hoch wie im Winter. Noch mehr als bei Fahrzeugen sind die von den Triebwerken verursachten Stickoxid-Emissionen ein zusätzliches Problem.

Günter Bramböck


Donnerstag, 13. Juli 2023

Warum es sinnvoll wäre, die Förderung der Photovoltaik schrittweise, jedoch rasch zu Batteriespeichern umzuleiten.

Mit der Gaskrise nach der Lieferverweigerung der Russen und der Kaufverweigerung der Westeuropäer infolge des Krieges ist der Markt für Photovoltaikanlagen regelrecht explodiert. Das schlägt sich auch in der großen Nachfrage und damit in der Entwicklung der Preise je Kilowatt nieder:

Quelle: https://echtsolar.de/preisentwicklung-photovoltaik/

Was vor etwa zwei Jahren noch als vollkommen unrealistisches Ziel angesehen wurde, nämlich die Gesamterzeugungsleistung der Photovoltaik etwa auf das Niveau der österreichischen Netzhöchstlast zu bringen, könnte bei der Fortsetzung des aktuellen Trends schneller erreicht werden, als ursprünglich angestrebt.

Von Anfang an war absehbar, dass so hohe Erzeugungsleistungen in einigen Netzausläufern zu Problemen mit der Versorgungsqualität führen werden. Je weiter die Transformatorstation entfernt ist, desto stärker muss die Spannung erhöht werden, um die Energie ins Netz zu drücken. Und dabei gibt es aus gutem Grund gesetzliche technische Grenzen, denn bei Nichteinhaltung treten Schäden bei den Geräten der Nachbarn auf.

Die Netzbetreiber verlangen nunmehr einen massiven Netzausbau. Das Ortsnetz ist meist verkabelt und für eine Verstärkung muss der Boden aufgegraben werden, was (sehr) hohe Kosten verursacht. Vielfach gilt das auch schon für die Mittelspannung zum Umspannwerk.

Die Alternative wäre die lokale Speicherung, um die tagsüber produzierten Energie-Überschüsse am Abend verfügbar zu machen und so die Netze weniger und gleichmäßiger zu belasten. Der Preisverfall bei Speicherbatterien hat zwar schon begonnen, aber bis es so schnell geht wie bei den Solarzellen werden noch ein paar Jahre vergehen. Der Preisverfall kann aber - wie bei der Photovoltaik - mittels Förderungen beschleunigt werden. Denn, wo ein Markt ist, gibt es Konkurrenz und die neue Technologie wird für viel mehr Menschen leistbar.

Die Investition in eine stationäre Speicherbatterie ist mit Sicherheit schon jetzt günstiger als die Verstärkung des lokalen Netzes.

Zusätzlich wird sich die Batterie schneller rechnen, wenn die hohen Preisunterschiede zwischen Tag (immer niedriger) und Nacht (immer höher) schon bald an die Endkunden weitergegeben werden. Im Großhandel ist diese Entwicklung außerhalb der kalten Winterzeit immer mehr spürbar und wird sich mit zunehmender Solarleistung verstärken. So ist der österreichische Großhandelspreis für den 14.7.2023 um 20 Uhr fast doppelt so hoch wie um 13 Uhr.
https://www.epexspot.com/en/market-data?market_area=AT&trading_date=2023-07-13&delivery_date=2023-07-14&underlying_year=&modality=Auction&sub_modality=DayAhead&technology=&product=60&data_mode=graph&period=&production_period=

Darüber hinaus stabilisiert mehr Speicherkapazität im Netz die Versorgungssicherheit, weil starke Erzeugungsschwankungen besser mit erheblichen Nachfrageschwankungen ausgeglichen werden. Große zentrale Speicher helfen bei stark dezentraler Erzeugung gar nicht, umgekehrt ist dies mit entsprechender Steuerung der dezentralen Stromspeicher leicht möglich.

Die Verlagerung des Fördervolumens von der Erzeugung zur Speicherung wäre somit eine kluge, vorausschauende Maßnahme. Sie sollte schrittweise erfolgen, jedenfalls aber schon mit der nächsten Ausschüttung von Mitteln beginnen.

Günter Bramböck


Dienstag, 11. Juli 2023

e-Auto-Leasing für 100-200 Euro pro Monat?

 

Letztes Jahr kündigte die französische Regierung erstmals Pläne zur Subventionierung des Leasings von Elektrofahrzeugen an, wodurch Elektroautos für einkommensschwache Haushalte für nur 100 € pro Monat erhältlich wären.

Elektroautos sind die Zukunft. Sie sind sauber, machen Spaß beim Fahren und sind günstig im Betrieb. Eines Tages werden alle von uns elektrisch fahren. Und doch ist es unbestreitbar, dass Elektroautos heute für viele Menschen unerschwinglich sind.

Das wird sich ändern, wenn die Produktion von Elektroautos und Batterien zunimmt, aber das geschieht einfach nicht schnell genug. In fünf Jahren werden viele reiche Menschen auf Solaranlagen, Wärmepumpen und E-Fahrzeuge umgestiegen sein. In der Zwischenzeit fahren "normale Menschen" vielleicht immer noch Fahrzeuge, die schmutzig sind, deren Betankung teuer ist und die zunehmend stigmatisiert werden.  Das ist nicht akzeptabel, weder gesellschaftlich, noch politisch.

Da die Autohersteller mit immer größeren und teureren Autos immer reicher werden, besteht die Gefahr, dass sich preiswerte E-Fahrzeuge verzögern und, wenn sie dann kommen, aus China importiert werden. Wir brauchen eine Strategie für billige Elektroautos für den Einstiegsbereich. Das sind die Fahrzeuge, die die Europäer wollen, aber auch die, die wir brauchen, um in den Schwellenländern wettbewerbsfähig zu sein.

Letztes Jahr kündigte die französische Regierung erstmals Pläne zur Subventionierung des Leasings von Elektrofahrzeugen an, wodurch Elektroautos für einkommensschwache Haushalte für nur 100 € pro Monat erhältlich wären.

Das ist nicht nur machbar, sondern würde auch nicht die Welt kosten. Um die Erschwinglichkeit zu gewährleisten, werden die Modelle nicht aufregend sein. Unter Berücksichtigung der niedrigeren Werbe- und Vertriebskosten für die Hersteller sowie der geringeren Kosten für Extras und Leistung kann der Preis der Autos um 20 bis 30 % gesenkt werden. Jüngste Analysen von T&E zeigen, dass zwischen 2024 und 2030 rund 900 000 französische Haushalte mit geringem Einkommen von monatlichen Leasingkosten in Höhe von 70 bis 200 Euro profitieren könnten, je nach Größe des Fahrzeugs - 100 Euro pro Monat für ein Modell, das dem elektrischen Twingo entspricht, oder 150 Euro für das Äquivalent eines Peugeot e-208 zum Beispiel.

Die jährlichen Subventionskosten in Höhe von 800 Millionen Euro könnten leicht durch die schrittweise Abschaffung der derzeitigen Subventionen, die wohlhabenden Autofahrern zugute kommen, ausgeglichen werden. Dies würde den Startschuss für eine Welt von preiswerten E-Fahrzeugen geben. Es würde auch Anreize für die europäischen Hersteller schaffen, sich auf Einsteiger-Elektroautos (statt auf teure) zu konzentrieren und sich darauf vorzubereiten, mit China um den Weltmarkt zu konkurrieren.

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Samstag, 8. Juli 2023

Neue Förderung bei Wärmepumpen

 

Auf Antrag der Grünen wurde in der letzten Sitzung des Niederösterreichischen Landtags vor der Sommerpause eine Erweiterung der Landesförderung für Wärmepumpen einstimmig beschlossen. Nun werden auch Systeme mit einer Vorlauftemperatur des Wärmesystems von über 40 Grad gefördert.

Dass Wärmepumpen oft auch in nicht oder nur teilweise thermisch sanierten Altbauten sinnvoll sind, kann man hier nachlesen:

https://energiezukunftbiedermannsdorf.blogspot.com/2023/01/warmepumpen-auch-in-alten.html
https://energiezukunftbiedermannsdorf.blogspot.com/2022/12/die-groe-skepsis.html
https://energiezukunftbiedermannsdorf.blogspot.com/2022/06/warmepumpe-irrtum-und-wahrheit.html
https://energiezukunftbiedermannsdorf.blogspot.com/2022/06/auch-teilweise-thermische.html

Mittwoch, 7. Juni 2023

Die Wärme unter unseren Füßen

 

In mehreren tausend Metern Tiefe herrscht Hitze, die nur darauf wartet, um bei uns Haushalte zu beheizen.

Derzeit werden 85 Prozent des österreichischen Energieverbrauchs für die Produktion von Wärme aufgewendet. Knapp 60 Prozent davon werden laut dem Klima- und Energiefonds bisher aus fossilen Energieträgern wie Erdgas gedeckt. Oberflächennahe Geothermie ist in vielen Gebäuden mit Wärmepumpen bereits Realität. In Zukunft könnten mit tiefer Geothermie ganze Ballungsräume über das Fernwärmenetz beheizt werden.

Solange Erdgas billig verfügbar und es politisch gewollt ist, hat tiefe Geothermie wegen der hohen Investitionskosten kaum eine Chance. Nun aber ändern sich diese Voraussetzungen. Es braucht daher eine Strategie für den Ausbau tiefer Geothermie. Denn das Aufsuchen und Gewinnen von Öl und Gas ist  in Österreich rechtlich bessergestellt als Geothermie, und das sollte heute nicht mehr so sein. 

Da Erdwärme derzeit nicht als Ressource definiert ist, ist die derzeitige Gesetzeslage, die auf den Abbau von Rohstoffen wie Öl, Gas oder Mineralien abzielt, für Erdwärmenutzung schlecht geeignet. Aufsuchung und Gewinnung tiefer Erdwärme sind jetzt in mehrere Gesetze zersplittert. Für die Nutzung des tiefen Thermalwassers ist eine Genehmigung der  Wasserrechtsbehörde, für die Bohrung eine der Bergbaubehörde und für die Anlage eine des  Gewerbeamts erforderlich.

Auch der Zugriff auf archivierte Daten zur Seismik und auf Bohrproben jahrzehntealter Öl- und Gasexplorationen müsste erleichtert werden. Diese sind für die Auffindung tiefengeothermischer Potenziale besonders hilfreich. Sie befinden sich aber meist in den Händen der damit befassten Bergbau- oder Erkundungsunternehmen. Da sie nicht herausgegeben werden müssen, lassen sich Geothermie-Projekte vor allem ohne Unterstützung der OMV kaum sinnvoll realisieren. In Deutschland und Frankreich hingegen müssen Geodaten nach Ablauf einer bestimmten Frist der Öffentlichkeit zur freien Verfügung gestellt werden.

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Sonntag, 28. Mai 2023

E-Mobilität: Batterie aufladen für weniger Geld?

 



Mit dem Rückgang des Preises für fossile Treibstoffe und den nur langsam wieder sinkenden Strompreisen wird die Wirtschaftlichkeit von E-Mobilität zuletzt mehr in Frage gestellt. Das könnte sich aber sehr bald ändern. Zumindest für einen wesentlichen Teil des Jahres.

Die Energielieferanten kaufen elektrische Energie zu Marktpreisen, wobei ein erheblicher Teil zumindest Monate im Voraus beschafft wird, ein Teil kurzfristig gekauft - oder auch - verkauft werden muss. Je mehr Strom aus Wind oder Sonne gewonnen wird, desto stärker wirkt sich das Wetter auf das kurzfristige Angebot aus. Im vergangenen Winter war die Erzeugung aus Wind relativ gut, aus Photovoltaik ziemlich mau. Aber der Zuwachs findet derzeit und voraussichtlich noch einige Zeit verstärkt bei der Photovoltaik-Kapazität statt. In speziellen Situationen zeigt sich die künftige Entwicklung und Auswirkung schon jetzt.

Die Preise auf der Strombörse sind für Pfingstmontag, 29.5.2023, am Nachmittag sehr deutlich negativ (siehe Grafik). Jener Stromhändler, der für diese Stunden zu viel beschafft hat, muss den überschüssigen Strom irgendwie loswerden. Hat er nicht die Möglichkeit, eigene Kraftwerke abzustellen, muss er für das Entsorgen bezahlen, hier bis zu gut 80 EUR/MWh, das sind 8 ct/kWh. Das ist mehr als ein Haushaltkunde alleine für die Durchleitung der elektrischen Energie über das Netz bezahlen muss (also die Netzkosten).

https://www.epexspot.com/en/market-data?market_area=AT&trading_date=2023-05-28&delivery_date=2023-05-29&underlying_year=&modality=Auction&sub_modality=DayAhead&technology=&product=60&data_mode=graph&period=&production_period=

Grund für die negativen Preise ist hauptsächlich ein Überschuss an erneuerbarer Energie. Es könnten bei viel Sonnenschein mehr und mehr solche Situationen auftreten. Und das eröffnet die Frage, warum man nicht in diesen Stunden günstigere Preise für das Aufladen von Batterien anbieten soll. Ein Geschäftsmodell dafür setzt eine entsprechende technische Lösung und flexible Preisprodukte voraus. Und das ist sicher in nächster Zeit zu erwarten. An der Ladesäule wird es dann darum gehen, wer zuerst dort ist und jene, die dort stehen, aber nicht (mehr) laden, zahlen extra. Also muss auch der Fahrzeugbesitzer flexibler werden.

Günstigere Konditionen für flexiblere Nachfrage gibt es schon in der Mobilität (beim Fliegen, bei der Bahn, im Hotel, usw.). Warum also nicht auch bald beim Aufladen der Autobatterie?

Es zahlt sich also aus, bei passender Gelegenheit dem Verbrenner adieu zu sagen.


Günter Bramböck


Samstag, 29. April 2023

Umwandlung von Wasserstoff zu Methan als natürlicher Prozess in Tiefenspeichern?

 

Vor Jahren las ich einen Beitrag, wonach russische Wissenschaftler in den 1940er Jahren eine Gegenthese zur ansonsten akkordierten Erkenntnis entwickelten. Allgemein wird angenommen Erdöl und Erdgas aus Abbauprozessen von Organismen entstanden seien. Die Russen begründeten ihre These unter anderem damit, dass bei biologischen Prozessen in der Nähe der Öl- und Gaslagerstätten auch Kohle zu finden sein müsste, was aber nicht der Fall ist. Die Russen meinten, dass es sich bei Öl und Gas um “Urstoffe" handle, welche "aus großen Tiefen hervorbrechen” würden. Beispielsweise könne das vor Brasilien in 5000 m Tiefe entdeckte Erdöl unmöglich durch in solch enorme Tiefen eingebrachte organische Masse entstanden sein. Diese Gegenthese konnte sich jedoch nicht durchsetzen, obwohl sie teilweise auch von US-Forschern untermauert worden ist. An diese Theorie erinnerte ich mich nun, als ich heute in der “Presse” einen Artikel zum neu eingerichteten unterirdischen Wasserstoffspeicher der RAG in Gampern (OÖ) gelesen habe.


Dieser Wasserstoffspeicher in mehr als 1000 m Tiefe soll den mittels Elektrolyse aus dem sommerlichen Energieüberschuss gewonnen Wasserstoff für die Wintermonate speichern. Vor allem bei der Nutzung von Sonnenenergie muss der gewaltige Überschuss im Sommerhalbjahr zum entsprechenden Energiedefizit im Winter ausgeglichen werden. Ein Problem dabei ist die wesentlich geringere Energiedichte von Wasserstoff gegenüber Erdgas, welches fast ausschließlich aus Methan besteht.


Die Universität für Bodenkultur hat in Studien unter der Leitung von Paul Loibner eine interessante Beobachtung gemacht. Fügt man dem Wasserstoff CO2 hinzu, verbinden Mikrolebewesen im porösen Sandstein die beiden Stoffe zu Methan. Bei demselben Volumen kann aus Methan etwa dreimal so viel (elektrische) Energie gewonnen werden wie aus Wasserstoff.


Wenn dieser Prozess tatsächlich zu befriedigenden Ergebnissen gebracht werden kann, wäre das ein entscheidender Beitrag zu geschlossenen Kohlenstoffkreisläufen. Wie bei allen notwendigen Umwandlungsprozessen wird es aber auf die energetische Effizienz der Umwandlungsprozesse ankommen und vermutlich auch auf die Dauer eines solchen "Reifeprozesses".


Günter Bramböck


Mittwoch, 19. April 2023

Harald Lesch zerlegt e-Fuels!

60 Sekunden Kurzversion

 „Die Diskussion über e-Fuels ist keine Petitesse. Das ist keine Kleinigkeit. Die Diskussion über e-Fuels ist einer der charakteristischen Fälle, wo jemand versucht, wo viele versuchen, die dafür plädieren, aus unerfindlichen Gründen naturwissenschaftlich grundlegende Ergebnisse einfach wegzudrücken. So ein bisschen nach dem Motto: „Diese Physik, es ist die Frage, wie können wir die umgehen?

Die Diskussion in der politischen Arena ist eigentlich eine Scheindebatte, wenn es um e-Fuels geht. Politik, da geht’s um Interessensausgleich, in Wissenschaften geht’s um Inhalte. Die Wissenschaften präsentieren die entsprechenden Tatsachen über Zusammenhänge, zum Beispiel von technologischen Umwandlungsprozessen. Politische Debatten sind davon geprägt, dass Interessen im Parlament ihren Ausdruck finden. Diese Interessen sind aber hier ausdrücklich nicht auf wissenschaftlichen Fakten basiert.“

Das ganzer Video gibts auf https://youtu.be/MnrudYCzh2E. Sehr sehenswert!

Noch ein kleiner Nachtrag: In der ZIB 2 vom 19.4. 2023 wurde vom ORF auch der Leiter des Bereichs e-Fuel der Grazer AVL interviewt. Obwohl AVL an der Errichtung einer Anlage zur Herstellung von e-Fuels mitbeteiligt ist, hat er sich eigentlich klar geäußert:

  • in manchen Anwendungen werden e-Fuels gebraucht werden
  • in den nächsten 20-30 Jahren wird Strom ein knappes Gut sein. Daher muss er möglichst sinnvoll eingesetzt werden
  • e-Fuels werden zuerst in Flugverkehr und Schifffahrt eingesetzt werden müssen
  • fast alle europäischen Autohersteller setzen weiter voll auf e-Mobilität
  • nur mit reinen e-PKWs können bis 2035  100% Marktanteil bei Neuzulassungen erreicht werden
  • es ist keine Frage, dass batterie-elektrische Fahrzeuge (BEVs) den besten Wirkungsgrad haben. Daher werden wir uns auf diese Technologie konzentrieren müssen, weil wir dabei am wenigsten Primärenergie verbrauchen.
  • Auch aus Sicht von AVL wird es letztendlich nur batterie-elektrische PKWs geben
  • Es ist ein realistisches Szenario, dass e-Fuels viel zu spät für den Einsatz in PKWs verfügbar sein werden, um dort zum Einsatz kommen zu können
  • Es wird schon riesige Anstrengungen brauchen, genug e-Fuels für Flugverkehr und Schifffahrt herstellen zu können
  • Es wird noch fünf bis sechs Jahre brauchen, um die Technologie der e-Fuel Herstellung weiterzuentwickeln. Erst ab etwa 2030 wird man Anlagen zur großindustriellen Herstellung bauen können.
  • in den nächsten drei bis fünf Jahren wird es Batterieautos mit vernünftigen Reichweiten im Preissegment von 20.000 bis 25.000 Euro für den Massenmarkt geben

Der Beitrag kann in der ORF TVthek ab 5:17 angesehen werden.