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Freitag, 18. November 2022

Photovoltaikanlage - worauf sollte ich achten?

 


Derzeit überlegen einige Hausbesitzer in meinem Bekanntenkreis, eine Photovoltaikanlage errichten zu lassen. Dies ist meist einfacher möglich als die Umstellung der Heizanlage. Ich konnte mir ein paar Kostenvoranschläge ansehen. Dabei habe ich einige Beobachtungen gemacht, weshalb ich hier ein paar Hinweise geben kann.

 

  • Größe: so groß wie möglich, für ein Einfamilienhaus auch einmal 8-10 kWp, was leider oft nicht möglich sein wird. Eine Ost-West-Ausrichtung ist möglich und dehnt die Erzeugung am Morgen und Abend aus

  • Ein Paneel mit 400 Wp (0,4 kWp) ohne Montage kostet ca. 200 - 250 EUR

  • auf eine solide Montage ist zu achten, die auch stärkeren Stürmen standhält

  • Montagekosten werden bei 10 kWp nicht doppelt so hoch sein wie bei 5 kWp, Größenordnung grob etwa 3 - 3500 EUR (manchmal etwas schwierigere Leitungsführung)

  • der notwendige Wechselrichter, idealerweise ein österreichisches Produkt, nicht nur aus Patriotismus, sondern wegen des größeren Funktionsumfangs

  • idealerweise kann der Wechselrichter auch eine Notversorgung bereitstellen (ca. 500 EUR Zusatzkosten), erlaubt eine Steuerung der Ladeleistung für das E-Auto entsprechend der aktuellen Erzeugungsleistung (kaum mehr Netzbezug beim Laden bei Sonnenschein) und könnte Überschuss auch zur Warmwasserbereitung bereitstellen

  • Meist werden die Kosten für die Montage und Einrichtung des Wechselrichters getrennt angeboten 

  • das Angebot muss eine Feststellung enthalten, ob die vorhandene Installation die technischen Voraussetzungen erfüllt (zB Erdung). Die Abstimmung und Abwicklung mit dem Netzbetreiber ist eine wichtige und heikle Aufgabe des Anbieters (Dokumentation, Anlagenfreigabe, Formulare)

  • Eine Batterie ist nicht notwendig, erhöht aber die Eigenbedarfsdeckung erheblich, besonders wenn Berufstätigkeit vorliegt. Da sollte es nicht eine Lithium-Ionen-Batterie (zB aus dem Baumarkt) sein, sondern eine Lithium-Eisen-Phosphat. Letztere ist sicher, schafft locker 5000 volle Zyklen und enthält u.a. kein Kobalt. Bei den Kosten (dzt. ca. 700 EUR/kWh) ist sehr wahrscheinlich noch eine Reduktion zu erwarten.

  • Blitzableiter sind nicht zwingend vorgeschrieben, müssen jedenfalls einen Mindestabstand zur Photovoltaikanlage aufweisen.

  • Zu niedrige Angebote ebenso meiden wie zu hohe. Auf Referenzanlagen achten (idealerweise im Ort). Die üblichen schriftlichen Gewährleistungen verlangen.

  • Geduld. Gute Firmen sind noch einige Zeit erheblich überlastet und haben aktuell Wartezeiten bis zu einem Jahr oder etwas mehr. Auch der Netzbetreiber steht unter Druck.

Ich selbst habe jenen Anbieter beauftragt, der als Einziger sich die vorhandene Situation selbst angesehen hat und mir unmittelbar Fragen kompetent beantwortet hat. 

Günter Bramböck



Mittwoch, 6. April 2022

Messergebnisse für mehr Transparenz im Strommarkt


Im ersten Beitrag waren die beiden Marktfunktionen beschrieben, mit welchen die Konsumenten direkt Kontakt haben: der Netzbetreiber und der Lieferant. Gehen wir nun einen Schritt weiter und bleiben wir zunächst einmal bei den Strommengen, welche der Netzbetreiber mittels Zähler erfasst.

Die Erfassung der elektrischen Energie erfolgt auf unterschiedliche Art, je nach deren Menge. Für Haushalte war über Jahrzehnte der mechanische Zähler mit den weißen Ziffern auf schwarzen Rollenwerken üblich. Diese Zähler liest der Netzbetreiber ein Mal im Jahr aus und aus der Differenz der Anzeigen wird der zwischenzeitliche Verbrauch ermittelt. Seit etwa 40 Jahren wird die Elektronik zur Erfassung der Verbräuche eingesetzt, zunächst als Hybridlösung und ab Anfang der 1990er Jahre dann als vollelektronische Zähler. Diese Zähler können nun die Energiemengen für jede einzelne Viertelstunde erfassen und abspeichern. Natürlich unterscheiden diese Zähler auch, in welche Richtung die elektrische Energie geliefert wurde, z.B. bei Vorhandensein einer Photovoltaikanlage. Sie werden entweder periodisch elektronisch ausgelesen oder die Werte werden direkt an eine Datenzentrale des Netzbetreibers übermittelt.

Der Netzbetreiber sammelt somit eine riesige Menge an Daten und ordnet diese zu. Er verwendet die Verbrauchswerte für die Abrechnung der Netznutzung direkt an den Netzkunden oder über den Lieferanten. Er gibt die einzelnen Daten dem vom Endverbraucher ausgewählten Lieferanten weiter, damit dieser den Energieverkauf abrechnen kann. Der Lieferant braucht die Daten aber auch für seine Prognoseberechnungen, doch dazu kommen wir noch später.

Pro Lieferant erstellt der Netzbetreiber auch ein sogenanntes Summenprofil, d.h. er summiert alle gemessenen Viertelstunden je Lieferant zu einem Wert je Viertelstunde und Lieferant und je Lieferrichtung in das Netz oder als Entnahme. Wenn es, beispielsweise beim Haushalt, keine einzelnen Viertelstundenwerte gibt, wird der Gesamtverbrauch nach einem Standardprofil auf die einzelnen Viertelstunden seit der vorangegangenen Messung aufgeteilt. Das stimmt zwar für den einzelnen Stromkunden gar nicht, über die Summe aller Haushalte und deren Durchmischung der Verbrauchsgewohnheiten kommt es der Realität jedoch ausreichend nahe.

Die als Lastprofile bezeichneten Viertelstundenwerte eines Lieferanten speist der Netzbetreiber in eine gemeinsames Datenbank ein, zu welcher nicht nur der Lieferant für seine Werte, sondern auch die Abrechnungsstelle für die Abweichungen von Einspeisung und Entnahme durch die Lieferanten und deren Kunden zugreifen kann. Diese Abrechnungsstelle wird als Bilanzgruppenkoordinator bezeichnet. Wenn es einen Koordinator gibt, dann gibt es auch Bilanzgruppen. Und diese üben eine sehr wichtige Mitverantwortung aus in der Stabilität der Stromversorgung.

Damit kommen wir dann beim nächsten Beitrag zum wahrscheinlich spannendsten Teil der Marktorganisation für die Stromlieferung.

Günter Bramböck

Der Strommarkt ist sehr komplex und intransparent, oder?


Ist das so und weshalb sehen fast alle Menschen das so? Hier schrittweise ein Versuch, ein wenig Licht in die Funktionsweise und etwas Ordnung in die Begriffe zu bringen. Es ist eine Welt, die man sich nur nach und nach erschließen kann. Deshalb soll in mehreren kleinen Beiträgen dieser Markt ein wenig verständlicher werden. Beginnen wir bei Ihnen, beim Stromverbraucher.

Der Stromverbraucher ist direkt nur mit zwei Marktfunktionen konfrontiert. Dem Betreiber des Stromnetzes einerseits und dem Lieferanten der Energie andererseits. Die Trennung erfolgte vor gut 20 Jahren im Bestreben, auch bei Energie, welche über Leitungen bereitgestellt wird, einen Wettbewerb einzuführen. Man behauptete, dass für den Konsumenten erhebliche Kostensenkungen möglich wären. Strom z.B. wurde tatsächlich relativ zum Einkommen deutlich günstiger. Ob das ohne Wettbewerb nicht möglich gewesen wäre, sei dahingestellt.

Das Stromnetz ist unsere physische Verbindung zu den (großen) Erzeugungsanlagen. Die Kosten der Netzbetreiber für die Erhaltung und den Ausbau der Stromnetze werden über regulierte Tarife abgedeckt, weil diese Marktfunktion zwangsläufig ein Monopol bleiben muss. Diese Preise sind nicht verhandelbar und es muss die maximale Leistung, auf welche der Netzanschluss ausgelegt ist, vereinbart werden.

Der Strom, bzw. richtig - die elektrische Energie - kann mit bestimmten Voraussetzungen in einem Wettbewerb frei gehandelt werden. Die Voraussetzungen liegen zunächst einmal in einer genauen Messung von Einspeisung in das Netz und Entnahme aus dem Netz durch die angeschlossenen Anlagen, unabhängig, wem diese gehören. Strom fließt physisch immer zwischen den am nächsten miteinander verbundenen Quellen und Verbrauchern. Elektrische Energie kann nicht auf definierten Wegen durch das Stromnetz geleitet werden.

Das erfordert ein Umdenken um einen Markt einzurichten. Die Lieferanten mieten nicht einen Pfad durch das Netz, sondern sie müssen dafür sorgen, dass zu jedem Zeitpunkt so viel Energie aus Quellen in das Stromnetz eingebracht wird, wie seine Abnehmer gerade verbrauchen. Es geht also nicht um den Weg, sondern um die Zeit. Mit den Messungen bzw. Zählern werden die Mengen ständig für jede kurze Zeiteinheit von 15 Minuten festgehalten. Soweit Zähler das nicht können, greift man vorerst auf typische Verbrauchsverhalten zurück. Mit der zeitlichen Erfassung aller Stromflüsse ist es möglich, wie bei einer Buchhaltung mit Soll und Haben für jede Viertelstunde eine Bilanz zu ziehen. Diese Bilanz wird von einer unabhängigen, neutralen Stelle gemacht, damit es nicht zu Manipulationen kommen kann. Das ermöglicht nun grundsätzlich den freien Handel von elektrischer Energie in einem stabilen System.

Was zunächst einmal ein einfaches Prinzip ist, erwächst in der Vielfalt der Stromerzeugungsanlagen und der extrem unterschiedlichen Verbrauchsgewohnheiten zu einem sehr komplexen System. Dessen Grundsätze zu durchschauen ist eigentlich nicht so schwer, wenn da nicht die Vielfalt der Reaktionsmöglichkeiten der Marktteilnehmer wäre.

In den nächsten Beiträgen werde ich also versuchen, die prinzipielle Funktionsweise der Stromversorgung etwas verständlicher zu machen. Wenn es Euch interessiert, bleibt dran.

Günter Bramböck